| Das Angebot an Anleitungen,
die das Denken und Lernen neu lehren wollen, hat sich in den vergangenen
Jahren extrem vermehrt. Dabei finden sich die neuen Ansätze weniger
dort, wo grundlegendes Wissen vermittelt wird oder werden sollte, nämlich
an Schulen und Universitäten. Vielmehr sind es private Weiterbildungsinstitute
und Trainer, die in Seminaren, Büchern oder Fernlehrgängen neue
Gebrauchsanleitungen für das Gehirn liefern. Sie drängen so verstaubte
Lernmethoden - wie beispielsweise stupides Einpauken von Zahlen- oder Vokabelreihen
- in die Schranken.
Kein Wunder, dass die Nachfrage nach den
Angeboten, die Lernen leicht machen und bei denen Lernen sogar richtig
Spaß macht, beständig steigt. In der Wissensgesellschaft ist
das Gedächtnis gefordert wie nie zuvor. Gedächtnis-Trainer treffen
deshalb auf offene Ohren, wenn sie versprechen: Alles geht schneller und
müheloser, wenn man nur die richtigen Zauber- formeln hat. Mit ihnen
komme das Gedächtnis in Top-Form. Ob das alles immer so stimmt, muss
jeder Einzelne für sich selbst überprüfen. Aber immerhin:
Unter den vielen Angeboten müsste eigentlich für jeden etwas
dabei sein. Die wichtigsten Offerten des Trainingsmarktes, das eigene Ge-
hirn mittels einer bislang noch unbe- kannten Technik sehr viel leistungs-
fähiger als bisher zu machen, sind
Mnemotechniken. Mneme ist abgeleitet
vom Griechischen, bedeutet soviel wie Gedächtnis. Unter dem Begriff
Mnemotechiken summieren sich verschiedene Merkverfahren und Lernhilfen.
Viele Menschen kämpfen mit ihrer Vergesslichkeit. Meist sind es so
leidige Schwächen wie diese: Man kann sich Namen von Geschäftspart-
nern oder Kollegen nicht merken, hat ein schlechtes Zahlengedächtnis
oder die Einkaufsliste nicht im Kopf. Schlimmer noch: ballastreicher Prüfungsstoff.
In diesen Fällen kann ein Gedächtnistraining weiterhelfen. Dort
erfahren die Teilnehmer in erster Linie: Wer in Bildern denkt und Assoziationen
verwendet, der vergisst weniger.
Dazu gibt es eine Menge Tricks. Wer
sich viele Zahlen merken muss, kann sich diese so einprägen: Der Hals
eines Schwanes erinnert an die Zahl zwei, eine Kerze an die Zahl eins,
ein Kleeblatt an die Zahl vier. Mit der Merk- oder Eselsbrücken-Methode
lernt man, Assoziationsketten zu bilden. An den Namen des Kollegen Nuskofski
erinnern sich Hirntrainer zum Beispiel mit diesem phantasievollen Bild:
Herr Nuskowsky fährt mit einer Nuss auf dem Kopf Ski. Je unsinniger
die Bilderkette, desto leichter prägt sich der Name ein. Oder, wer
die vier Himmelsrichtungen nicht in der richtigen Reihenfolge aufsagen
kann, merkt sich den Satz: "Nicht ohne Seife waschen". Die Anfangsbuchstaben
ergeben im Uhrzeigersinn die richtige Reihenfolge.
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Schnelllesetechniken. Langsames Lesen
ist zwar für Romane ange- messen, aber nicht für jene Menschen,
die sich rasch in einen Stoff einar- beiten und diesen wiedergeben müssen.
Wer viel und schnell lesen muss, kann durch Schnelllesen Zeit gewinnen.
Bei dieser Methode, auch Fotoreading genannt, verschafft sich der Lernende
erst einen Überblick mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses. In Kursen
lernen die Schüler, mehr Wörter mit einem Blick aufzunehmen.
Dafür braucht es allerdings Übung und ein Kursbesuch ist empfehlenswert.
Mind Map. Ein Mind Map ist eine Art
Gedankenkarte. Es ist eine sehr vielseitige Erinnerungstechnik, die im
Privaten und Beruflichen hilfreich ist. Auf einem Blatt Papier wird das
Thema oder der Lernstoff in Form einer bunten Zeichnung dargestellt, die
eine baumartige Struktur mit Ästen und Zweigen hat. Gearbeitet wird
mit Schlüsselbegriffen, Bildern oder Symbolen, die passend für
ganze Lernkomplexe stehen. Geübte verwenden diese Technik, um Vorträge
frei und ohne großes Manuskript zu halten. Ihre einzige Gedankenstütze
ist ein Blatt mit einem Mind Map. Inzwischen gibt es auch Computer- software
für Mindmapping.
Brain- oder Hirnjogging. Das Gehirn
kann man sich als Muskel vorstellen, der wie jeder Muskel trainiert sein
will. Brainjogging ist eine Art Gymnastik für das Gehirn. Der Verlust
der Merkfähigkeit im Alter, das haben Forscher am Berliner Max- Planck-Institut
für Bildungsforschung heraus- gefunden, lässt sich durch Training
ausgleichen. Am besten täglich fünf bis zehn Minuten nach Lust
und Laune: Kreuzworträtsel, Zahlen- rätsel, Stadt-Land-Fluss-
Übungen oder Kopfrechnen.
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Wolfram Stanek, Professor für Automatisierungstechnik
und Gedächtnistrainer in Koblenz ist überzeugt: "Jeder
gesunde Mensch hat die Möglichkeit, sein Superhirn zur Entfaltung
zu bringen, man muss nur die Türchen öffnen."
Dass Gedächtnistraining funktioniert, beweist
Helga
Zehetmaier. Sie ist Siegerin der 1. Deutschen Gedächtnis- meisterschaft.
Die EDV-Beraterin aus Hungenroth beteiligte sich im Alter von 43 Jahren
erstmals an dem geistigen Wettkampf und ließ alle Konkurrenten hinter
sich.
Gedächtnistrainer Stanek gibt
seinen Seminar-Teilnehmern eine Merkhilfe. Hinter den einzelnen Buchstaben
des englischen Wortes B R
A
I
N
(Gehirn) verberge sich das, was Mann oder Frau beherzigen soll
B
steht für Bilder, bunt und bewegt
R
für richtig verknüpfen
A
für alle Sinne einsetzen
I
für Imagination (Einbildungskraft)
N für nummerieren,
das heißt sortieren und strukturieren der zu lernenden Texte.
Wer alle diese fünf
Punkte im Geist abklopft, kann am Ende ganz gewiss wesentlich mehr als
jemals zuvor erinnern.
Helga Zehetmaier und Wolfram Stanek
geben
heute ihr Wissen gemeinsam in Seminaren weiter. Ende Oktober
und Ende November sind Trainings in Hungenroth bei Koblenz vorgesehen,
für Ende Februar 2 000 haben die beiden bereits ein Seminar in Berlin
eingeplant
(Info: www.Innopro.de und t 030 / 43 16
66 0 oder 067 46 / 84 68).
Schon am morgigen Montag haben Berliner die Chance,
ein Seminar der Erwachsenenpädagogin Margit Durand von der Gesellschaft
für Gehirntraining, Landesverband Berlin / Brandenburg (t 3 65 61
71) zu besuchen. Ihr mentales Aktivierungstraining beginnt um 9 Uhr in
der Volkshochschule Steglitz - zum üblichen VHS-Satz. Eine Anmeldung
ist vor Ort noch möglich.
Christian Psoch aus Berlin besuchte
das zweitägige Training von Zehetmaier und Stanek zum Studentenpreis
von 416 Mark, um sich auf seine Prüfung vorzubereiten. Das Resultat
des 28-jährigen Diplomingenieurs: "Ich habe
gelernt, warum ich einiges behalte und anderes wieder schnell vergesse."
Heute baut er sich nicht nur in beruflichen Prüfungssituationen, sondern
auch im ganz normalen Alltag häufig Eselsbrücken. Sie
helfen ihm, sich selbst an komplizierte Sachverhalte unangestrengt zu erinnern.
Auch für Oliver Vogel (Student
der Wirtschaftsinformatik) aus Duisburg hat sich das Training gelohnt:
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"Ich kann mir den Stoff
jetzt viel schneller merken und auch behalten." Zum
Lernen, so sagt er, braucht er heute etwa
halb so viel Zeit als früher.
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Wie das geht? Für Vogel ist es inzwischen
ganz einfach:
"Ich wandle abstrakte Begriffe
in einzelne bekannte Begriffe um. Diese ergeben dann ein Bild, das mich
wieder an den abstrakten Begriff erinnert."
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Im Seminar hat Vogel auch erfahren, dass er eher
ein auditiver Lerntyp ist und gut auf Reize des Hörens reagiert.
Während er sich vor dem geistigen Auge den Lernstoff bildhaft vorstellt,
sagt er nun laut den Text vor sich hin.
Wer geistig lange rege sein will, macht
am besten täglich Hirnjogging. Es lohnt sich. Lebenslanges Lernen
wird damit einfacher. |